Die Aachener Orgel

Ermoldus Nigellus, dessen Geburtsdatum unbekannt ist, war Benediktinermönch, Dichter, Vertrauter und Günstling Königs Pippin I. von Aquitanien. 
 

Aus seiner Feder stammt ein kurzes Gedicht, in dem er auf die Karl dem Großen um 807 von Kalif Harun-al-Raschid geschenkte Orgel hinweist, die fortan in der Aachener Marienkirche ertönte.

 

Die Ursprünge der Orgel liegen in hellenistischer Zeit. Im byzantinische Reich wurde die Orgel als wichtiges Instrument bei kaiserlichen Zeremonien verwendet. In den karolingischen Chroniken wird berichtet, dass in den Jahren 757 und 812 jeweils eine Gesandtschaft vom byzantinischen Kaiserhof an den fränkischen Hof kam und für Pippin den Jüngeren oder für dessen Sohn und Nachfolger Karl der Große eine Orgel mitbrachte. Der Sohn Karls des Großen, Kaiser Ludwig der Fromme, ließ 826 eine Orgel für seine Pfalz in Aachen von einem aus Vendig stammenden Priester namens Georg anfertigen, vermutlich seit mehreren Jahrhunderten die erste in Westeuropa hergestellte Orgel.

 

Das Orgelspiel in Aachen für liturgische Zwecke bedeutete den Übergang von ihrem profanen zum sakralen Gebrauch. Am Hofe Karls des Großen beginnt die Geschichte der kirchlichen Orgelmusik. 

In seinen poetischen Werken erweist sich Ermoldus als Dichter von hoher klassischer Bildung. Er starb um 838. 

 

In honorem Hludowici christianissimi Caesaris Augusti liber IV (vers. 637-642)

Quod nec Roma potens tenuit nec Francia iura,
   Tu retines Christi nomine cuncta pater.
Organa quin etiam, quae numquam Francia crevit,
   Unde Pelasga tument regna superba nimis,
Et quis te solis, Caesar, superasse putabat.
   Constantinopolis, nunc Aquis aula tenet.

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© Gero Weishaupt