Einführung

Urbs Aquensis, urbs regalis,

regni sedes principalis,

prima regum curia.

Regi regum pange laudes,

quae de magni regis gaudes

Karoli praesentia.

 

Aachen und Karl der Große

 

"Karoli Praesentia" (Karls Gegenwart). Mit diesen Worten endet die erste Strophe der im Ganzen aus 10 Strophen komponierten Sequenz "Urbs Aquensis, Urbs Regalis": Stadt Aachen, Königliche Stadt. Die Sequenz ist Teil der Messe "In Festo Beati Karoli Imperatoris", die nach der Heiligsprechung Karls des Großen unter Kaiser Friedrich Barbarossa am 29. Dezember 1165 im Zusammenhang mit der anschließenden Karlsverehrung, die in Aachen ihr Zentrum und ihren Ausgangspunkt hatte, entstanden ist. Die Ursprünge der Sequenz gehen auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück.

 

Noch heute wird die Aachener Sequenz am Sterbetag Karls des Großen, dem 28. Januar, im Aachener Dom, dessen weltberühmtes Oktogon die einstige Pfalzkapelle Karls des Großen gewesen ist, und anläßlich der alljährlichen Verleihung des Aachener Karlspreises im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses - zur Zeit Karls des Großen Pfalzpalast (aula regia) -, gesungen. Zugleich ist die Sequenz die "Hymne" der Kaiserstadt Aachen, die wahrlich eine Kaiserstadt ist, denn ihr Dom dient als die
Grablege zweier Kaiser: Karls des Großen (gest. 814) und - bis zur Zeit der Französischen Revolution - Ottos III. (gest. 1002).

 

In der Eingangsstrophe wird die Stadt Aachen, in dem sich der erste, bedeutendste und wichtigste königliche Hof (sedes principalis; prima regum) des Frankenreiches befand, aufgerufen, dem "König der Könige" (Regi regum) Loblieder zu singen (pange laudes). Aachen erfreut sich der Gegenwart Karls des Königs in seiner Mitte (quae de magni regis gaudes Karoli praesentia).

 

Aachen - das neue Rom

 

"Karls Herrschaft war ... zunächst ein Reisekönigtum. Die Aufenthaltsorte des Königs wechselten ständig, und sein Weg lässt sich aufgrund der Nachrichten in Chroniken und Annalen sowie durch die Datierugen der vor Ort ausgestellten Urkunden mehr ode weniger genau rekonsturieren" (M. Römling, Aachen. Geschichte einer Stadt, Soest, 2007, 44). Karl der Große hat Aachen, umgeben von einem riesigen Waldgebiet,
das Karls Jagdleidenschaft sehr entgegenkam, ob seiner heißen Quellen - der König litt an Rheuma - als seinen bleibenden Wohn- und Regierungssitz erwählt und machte es so zum Zentrum seines Reiches, zur "Roma nova". "Ab 794 weilte der König meistens in Aachen, nach 799 fast ausschließlich" (M. Römling, Aachen, 45). In der Kapelle, die er für seine Pfalz in Aachen hat erbauen lassen, fand der am Weihnachsfest des Jahres 800 in Rom gekrönte Kaiser nach seinem Tod am 28. Januar 814 seine letzte Ruhestätte.

 

So ist Aachen auf engste mit Karl dem Großen verbunden. Er ist in der Stadt gegenwärtig. Seine Gegenwart (praesentia) sollte die weitere Geschichte
Aachens - nicht nur als Krönungsstadt der deutschen Könige - nachhaltig prägen
bis auf den heutigen Tag.

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