Beispiele I -

Aus der Weihnachtsliturgie

 

Weihnachtstag

Das Hyperbaton (Sperrung) fällt in der Collecta der Tagesmesse (Missa in Die) des Weihnachtstages auf, wobei weniger inhaltliche als rhythmische Kriterien für dieses auch in reinen Prosatexten beliebte und häufig anzutreffende Stilmittel entscheidend sind. In der lateinischen Kunstprosa tritt die Funktion des Hyperbaton als eines syntaktisch zusammengehörige Begriffe hervorhebendes Stilelementes hinter das Streben des Beters, durch das Hyperbaton einen rhythmischen Wohllaut zu erzielen, zurück:

 

Deus, qui humanae substantiae dignitatem

 

et mirabiliter condidisti et mirabilius reformasti,

da, quaesumus, nobis

eius divinitatis esse consortes,

qui humanitatis nostrae fieri dignatus est particeps.

Qui tecum vivit.

 
Anstatt: "eius divinitatis consortes esse, qui humanitatis nostrae particeps fieri dignatus est".

Einen Parallelismus (membrorum) lassen die Oratio super Oblata und die Postcommunio der Tagesmesse (Missa in Die) von Weihnachten erkennen. Im folgenden ersten Beispiel wird im Relativsatz die "nostrae reconciliationis placatio" der "divini cultus plenitudo" kunstvoll gegenübergestellt, wobei die am Ende positionierten Substantive "placatio" und "plenitudo" einerseits als Alliteration, andererseits als Onomatopoiie einen besonders schönen klanglichen Effekt bewirken. Im zweiten Beispiel entsprechen ebenso "actor" und "largitor", die zugleich als Homoeoteleuta der Oration eine auffallend akustische Note geben, die ihre Gegenüberstellung und Hinordnung nochmals klanglich unterstreicht.

 

Oblatio tibi sit, Domine hodiernae sollemnitatis accepta,

qua et nostrae reconciliationis processit placatio

et divini cultus nobis est indita plenitudo.

Per Christum Dominum.

 

 

Praesta, misericors Deus,

 

ut natus hodie Salvator mundi

 

sicut divinae nobis generationis est auctor,

 

ita et immortalitatis sit ipse largitor.

 

 

Sonntag nach Weihnachten

 

Eine Zäsur (Einschnitt) findet sich in der Oratio super Oblata des 1. Sonntages in der Weihnachtsoktav ("Sonntag der Heiligen Familie"), in der die Substantive "gratia" und "pace" durch das Adverb "firmiter" und die beigeordnete Konjunktion "et" voneinander getrennt werden:

 

Hostiam tibi plactationis offerimus, Domine,

 

suppliciter deprecantes,

 

ut Deiparae Virginis beatique Ioseph

 

intervienente suffragio,

 

familias nostras

 

in tua  gratia  firmiter et  pace  constituas.

 

 

Freitag nach Ephiphanie

 

In der folgenden Oration ist wiederum eine sog. Zäsur (Einschnitt) erkennbar. In der Collecta vom Freitag (hier: Feria sexta post sollemnitatem Epihaniae) der Wochentage in der Weihnachtszeit werden die Verben "reveletur" und "crescat" durch das Adverb "semper" und die koordinierende Konjunktion "et" aus rhythmischen Gründen voneinander getrennt. In der reinen Prosa müsste das Adverb vor den Verben und die koordinierende Konjunktion zwischen ihnen platziert stehen. Also: "semper reveletur et crescat." In der Kunstprosa, wie die Orationen sie meisterhaft darstellen, sieht das jedoch so aus:

 

Praesta , quaesumus, omnipotens Deus,

 

ut Salvatoris mundi, stella duce, manifesta nativitas,

 

mentibus nostris reveletur semper et crescat.

 

Per Dominum.

 

 

 

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