1. Fastensonntag

Unsere Waffen sind die Taufe und die Firmung

 

Homilie des heiligen Gregor von Nazianz zum Evangelium des 1. Fastensonntages, Lesejahr A in der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus.  Text: Oratio 40, 10: PG 36, 370-371.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 4, 1-11)

 

In jener Zeit 1wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. 2Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. 3Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. 4Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. 5Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel 6und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 7Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 8Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 9und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. 10Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. 11Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.

 

Homilie des heiligen Gregor von Nazianz

 

Wenn dich der Verfolger des Lichtes und der Versucher nach der Taufe angegriffen haben sollte, hast du etwas, womit du ihm überlegen bist. Denn er wird bestimmt zum Angriff übergehen, da er sich auch daran gemacht, das Wort und meinen Gott, weil Fleisch ihn verhüllt, anzugreifen, das heißt jenes Licht, das wegen seiner sichtbaren Menschheit  verborgen ist.

 

Schrecke nicht vor dem Kampf zurück. Stelle ihm die Taufe entgegen, stelle ihm die Firmung entgegen. Dadurch werden alle feurigen Geschosse dieses schrecklichen Wesens zerstört.

 

Wenn er dir Armut vor Augen geführt haben sollte – denn zweifellos hat er dies auch mit Christus getan – und mit Verweis auf den Hunger gefordert haben sollte, dass aus Steinen Brot werde, dann sollst du seine Gedanken kennen. Lehre ihn, was er nicht gelernt hat. Stelle ihm jene lebenspendende Predigt von dem entgegen, der das Brot vom Himmel ist und der Welt das Leben schenkt.  Wenn er dich durch eitlen Ruhm täuscht sollte – wie er es mit ihm tat, als er ihn auf die Zinne des Tempels führte und sagte: Stürz dich hinab, damit du den Glanz deiner Gottheit unter Beweis stellst – dann lass dich nicht durch Übermut und Stolz zu Fall bringen. Denn wenn er das hinkriegt, wird er es keineswegs dabei belassen. Er ist unersättlich, auf alles erpicht. Scheinbar schmeichelt er mit Freundlichkeit, aber es endet im Unheil. Das ist seine Strategie.

 

Und dieser Bandit ist sogar in der Heiligen Schrift bewandert. Von daher die Worte In der Schrift heißt es, wenn das Brot und die Engel in seinen Fokus kommen: (D)enn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. O du Verdreher des Lasters! Warum verhehlst du, was dann folgt? Ich verstehe es zur Genüge, auch wenn du es verschwiegen hast, und zwar dass ich auf dich, die Natter und Eidechse, steigen und Schlangen und Skorpionen mit den Füßen zertreten werde – natürlich sicher geschützt von der Dreifaltigkeit.

 

Wenn er auch durch die Habgier angreifen sollte, indem er in einem einzigen Augenblick alle Reiche vorzeigt, wie wenn sie seine eigenen wären, und von dir Anbetung verlangt, dann verachte ihn als ärmlich. Sage ihm im festen Vertrauen auf das Zeichen: Ich bin auch ein Bild Gottes. Ich bin noch nicht wegen des Stolzes wie du von der himmlischen Herrlichkeit heruntergefallen. Ich bin mit Christus bekleidet. Ich habe Christus durch die Taufe angenommen. Bete vielmehr du mich an.

 

Glaube mir: Durch diese Worte besiegt und beschämt wird er sich von jenen, die von Christus Licht empfangen haben und erleuchtet sind, so entfernen, wie er sich auch von Christus, dem Quell des Lichtes, entfernt hat. Dieses Gnadengeschenk verleiht die Taufe jenen, die sich zu seinem Weg bekennen. Er bereitet ihnen, die redlich hungern, ein Gastmahl.  

 

 

Über den heiligen Gregor von Nazianz (geb. um 326, gest. um 390)

 

Er gehört mit Gregor von Nyssa und Basilius von Caesarea zu den drei großen kappadokischen Theologen, die dem in Nizäa (325) formulierten Glaubensbekenntnis nicht nur zum Durchbruch verhalfen, sondern es auch begrifflich vertieften und so die Beschlüsse des Konzils von Konstantinopel (381) entscheidend vorbereiteten. Mit Basilius dem Großen verband ihn eine lebenslange Freundschaft, die bei einem Studienaufenthalt in Athen ihren Anfang nahm. In seine Heimatstadt zurückgekehrt, wird er vom Vater, dem Bischof von Nazianz, gegen seinen Willen zum Priester geweiht. 372 wird er von Basilius aus taktischen Gründen zum Bischof der Kleinstadt Sasima befördert, tritt das Amt jedoch niemals an, sondern bleibt bis zum Tod seines Vaters (374) in Nazianz. Danach zieht er sich eine Zeitlang ins Thekla-Kloster in Isaurien zurück. Von Theodosius wird er 379 zur Leitung der kleinen nizänischen Gemeinde in Konstantinopel berufen. Das Konzil von 381 erkannte ihn als rechtmäßigen Bischof von Konstantinopel an und wählte ihn zum Vorsitzenden. Als ihm jedoch die Beilegung des Antiochenischen (Meletianischen) Schismas mißlang, erklärte er nur wenige Wochen später seinen Rücktritt. Nach kurzem Zwischenaufenthalt in Nazianz (bis 383) zog er sich endgültig auf sein Landgut Arbala bei Arianz zurück. Hier entstanden die meisten seiner 249 Briefe und Gedichte mit insgesamt 17.000 Versen. (Quelle: Catena Aurea)

 

 

 

 

 

 

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