2. Fastensonntag

Das Gesetz kam durch Moses, die Gnade aber durch Christus

 

Homilie des heiligen Leo des Großen zum Evangelium des 2. Fastensonntages nach ordentlichen und klassischen Form des Römischen Ritus. Text: Tract. 51, 3-4: CCL 138 A, 298-300).

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 17, 1-9)

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

 

In jener Zeit 1nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. 2Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. 3Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. 4Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. 5Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. 6Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. 7Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! 8Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. 9Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

 

Homilie des heiligen Leo des Großen

 

Der Herr offenbarte vor ausgewählten Zeugen seine Herrlichkeit, und jene Gestalt des Leibes, die er mit anderen gemeinsam hatte, verherrlichte er mit solch großem Glanz, dass auch sein Gesicht dem Glanz der Sonne ähnlich und sein Gewand blendende weiß wie Schnees war.

 

Bei dieser Verklärung ging es vor allem darum, den Anstoß des Kreuzes aus den Herzen der Jünger zu nehmen. Auch sollte die Niedrigkeit des freiwilligen Leidens nicht den Glaube derer verwirren, denen die Erhabenheit der verborgenen Würde offenbart worden war.  

 

Doch die Hoffnung der Kirche wurde mit nicht geringerer Vorsorge wurde auf ein Fundament gestellt, damit der ganze Leib Christi erkenne, mit was für eine Umwandlung er beschenkt werden mußte, und die Glieder auf die Teilhabe an jener Herrlichkeit hofften, die im Haupt schon vorher leuchtend hervorgetreten war.

Darüber hatte derselbe Herr gesagt, als er über die Macht und Herrlichkeit seiner Ankunft sprach: Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reich seines Vaters. Dasselbe bezeugt der Apostel Paulus: Ich schätze, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit in keinem Verhältnis stehen zu der künftigen Herrlichkeit. Und noch einmal: Denn ihr seid tot und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn nämlich Christus, euer Leben, erscheint, werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit.

 

Um aber die Apostel zu stärken und zur ganzen Kenntnis zu führen, trat auch eine weitere Belehrung in diesem Wunder hinzu. Moses und Elias, also Gesetz und Propheten, erschienen mit dem Herrn und sprachen miteinander, damit wirklich in der Gegenwart der fünf Männer das Schriftwort in Erfüllung ging: Auf zwei oder drei Zeugen gründet jedes Wort. Was ist fester, was stärker als dieses Wort, bei dessen Verkündigung die Posaune des Alten und des Neues Testamentes erschallt und die Instrumente der alten Verheißungen mit der Lehre des Evangeliums zusammenklingen?

 

Jede der beiden Seiten des Bundes stimmt miteinander überein. Und ihn, den frühere Zeichen unter der Hülle der Geheimnisse verheißen hatten, den zeigt der Glanz der gegenwärtigen Herrlichkeit deutlich und sichtbar. Denn, wie der heilige Johannes sagt: Das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade aber und die Wahrheit ist durch Jesus Christus gekommen. In ihm ist auch die Verheißung der Propheten und der Sinn der gesetzlichen Vorschriften in Erfüllung gegangen, indem er die wahre Prophetie durch seine Gegenwart lehrt und die Gebote durch die Gnade möglich macht.

 

Gemäß der Predigt des allerheiligsten Evangeliums soll der Glaube aller gefestigt werden und niemand sich des Kreuzes Christi, durch das die Welt erlöst worden ist, schämen. Auch soll niemand sich fürchten, der Gerechtigkeit wegen zu leiden, oder an der Umsetzung der Verheißungen zweifeln. Denn man gelangt durch Anstrengung zur Ruhe und durch den Tod zum Leben. Weil er die Schwäche unseres Elends auf sich genommen hat, besiegen wir in ihm, was er besiegt hat, und empfangen wir, was er verheißen hat, wenn wir in seinem Bekenntnis und in seiner Liebe bleiben.

 

Denn die vorher gesandte Stimme des Vaters mußte in unseren Ohren zu hören sein, sei es um seine Gebote zu erfüllen, sei es um widrige Umstände zu erdulden: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.

 

Über den heiligen Leo den Großen (gest. 461)

 

Sein Pontifikat (ab 440) fällt in eine schwere Zeit: nur durch sein Verhandlungsgeschick kann er den Hunnenkönig Attila 452 zum Abzug aus Italien bewegen und von dem Vandalen Geyserich erreicht er 455 die Schonung Roms vor Mord und Brand. Innerkirchlich hatte er sich gegen Pelagianer und Manichäer, Priscillianer, Monophysiten und Eutychianer durchzusetzen. Bekannt ist vor allem sein Lehrbrief an den Patriarchen Flavian, der Tomus Leonis, in dem er die zwei Naturen Christi verteidigte. Dieser fand Eingang in die Kanones des Konzils von Chalzedon (451). Vom Westkaiser Valentinian III. erreichte Leo die Anerkennung des Jurisdiktionsprimates des römischen Bischofs. (Quelle: Catena Aurea)

 

 

 

 

 

 

 

 

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