5. Sonntag i. J.

Euer Licht soll leuchten vor den Menschen

 

Homilie des heiligen Johannes Chrysostomus zum Evangelium des fünften Sonntages im Jahreskreis, Lesejahr A in der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus.  Text: PL 51.174

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 5, 13-16)

 

Euer Licht soll vor den Menschen leuchten

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. 14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. 16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Papst Benedikt XVI. über den heiligen Johannes Chrysostomus

 

Homilie des heiligen Johanns Chrysostomus

Was denkt ihr, welcher große Schmerz  in mir brennt, wenn ich daran erinnere, dass zwar an Festen die Mengen an Beiträgen einem riesigen Meer gleicht, aber nun nicht einmal ein kleiner Prozentsatz dieser Menge hier zusammengetragen wird? Wo sind die, die uns bei Feierlichkeiten verdrießen? Ich vermisse sie und ihretwegen bin ich traurig, wenn ich mir vorstelle, eine wie große Menge von ihnen verloren geht, die gerettet waren; wie sehr ich mich für meine Brüder eingesetzt habe; wie klein geworden die Zahl derer ist, die das Heil erlangen, so dass der größere Teil der Kirche einem tödlichen und unbeweglichen Leib ähnelt.

 

Was geht das uns an, wird jemand fragen.  Euch geht das sicher sehr viel an, die ihr euch nicht um sie kümmert, sie nicht ermuntert, nicht mit Rat und Tat beisteht. Es geht euch an, die ihr nichts unternehmt und gegenüber diesem himmelschreienden Versäumnis passiv bleibt.

 

Dass wir nicht nur uns, sondern auch vielen nützen müssen, hat Christus gezeigt, als er uns Salz, Sauerteig und Licht genannt hat. Diese drei nützen nämlich anderen. Denn eine Lampe leuchtet nicht zum eigenen Nutzen, sondern zum Nutzen anderer, die im Dunkeln sitzen. Und du bis die Lampe, nicht damit du alleine davon selber profitierst, sondern einen Irrenden zurückführst. Welchen Nutzen bringt denn eine Lampe, wenn sie dem, der im Dunkeln sitzt, kein Licht spendet? Welchen Nutzen haben Christen, wenn sie niemanden gewinnen und zu einem tugendhaften Leben zurückführen?

 

Umgekehrt hält Salz nicht nur sich selber zusammen, sondern bewahrt auch verderbliche Substanzen in ihrem Bestand und vermeidet, dass sie vollständig vergehen. So auch du: Gott hat dich ja zum spirituellen Salz gemacht. Halte darum die verdorbenen Glieder, das heißt die Untätigen, zusammen und verbinde den, der vom Faulenzen wie von einem stinkenden Geschwür befreit worden ist,  wieder mit dem übrigen Leib Christi.

 

Deswegen hat Christus dich auch Sauerteig genannt. Der Sauerteig säuert ja nicht sich selber, sondern – obwohl mengenmäßig gering und nicht lange haltbar -  eine riesige und große Masse. So sollt auch ihr, obwohl zahlenmäßig klein, im Hinblick auf den Glauben und den Eifer für die Gottesverehrung in großer Anzahl stark und einflussreich sein. Wie also Sauerteil aufgrund seiner kurzen Haltbarkeit zwar schwach ist, aber sich durch seine inneren, ihm eigenen Kräfte und seine intensive Eigenschaft  auszeichnet,  so werdet ihr, wenn  ihr es wollt, ganz bestimmt bedeutend mehr Menschen zu demselben intensiven Engagement hinführen.

 

 

 

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