7. Sonntag i. J. 

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde

 

Homilie des heiligen Cyprianus zum Evangelium des siebten Sonntages im Jahreskreis, Lesejahr A in der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus.  Text: De zelo 12-13, 15: CSEL 3,1,427.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 5, 38-48)

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 

38Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. 39Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. 40Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. 41Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. 42Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. 43Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 47Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

 

Homilie des heiligen Cyprian von Karthago

 

Wir müssen uns daran erinnern, wie Christus sein Volk nennt, mit welchem Titel er seine Herde bezeichnet. Er nennt sie Schafe, um die christliche Unschuld den Schafen gleichzustellen. Er nennt sie Lämmer, damit die Unbefangenheit des Geistes die unbefangene Natur der Lämmer nachahmt. Warum verbirgt sich der Wolf unter dem Schafspelz, warum schadet der, der vorgibt Christ zu sein, die Herde Christi?

 

Sich den Namen Christi eigen machen, doch nicht auf dem Weg Christi wandeln was ist das anderes als ein Verstoß gegen den göttlichen Namen, nichts anderes als ein Verlassen des Heilsweges? Wenn er selber lehrt und sagt, dass derjenige zum Leben gelangt, der die Gebote unterhält; dass derjenige weise ist, der seine Worte hört und befolgt; dass derjenige der größte Lehrer im Himmelreich genannt wird, der lehrt und entsprechend handelt, dann wird es auch dem Verkünder des Wortes seine wirkungsvolle und konstruktive Predigt nutzen, wenn selber dem Bekenntnis mit seinem Mundes auch Taten folgen.

 

Was aber legt der Herr seinen Jüngern häufiger nahe, was ordnet er unter seinen heilbringenden Ermahnungen und himmlischen Geboten für die Einhaltung und Rettung mehr an, als dass auch wir mit derselben Liebe, mit der er selber die Jünger geliebt hat, einander lieben? Wie achtet derjenige den Frieden und die Liebe des Herrn, der unter Einfluss von Eifersucht weder friedfertig noch liebevoll sein kann?

Darum fügte der Apostel, als er auf die Verdienste des Friedens und der Liebe  hinwies und fest behauptete und lehrte, dass weder glaube, weder Almosen noch das Leiden des Bekenners und Märtyrers ihm nutzen würden, wenn er nicht die Anordnungen der Liebe unversehrt und unverletzt bewahrt hätte, noch hinzu: Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, die Liebe ereifert sich nicht. Dadurch lehrte und zeigte er nämlich, dass derjenige an der Liebe festzuhalten vermag, der langmütig, gütig und Eifersucht und Neid abgeneigt ist. Ebenso machte er an anderer Stelle, als er daran erinnerte, dass der Mensch - vom Heiligen Geist erfüllt und durch die himmlische Geburt Sohn Gottes - ausschließlich nach geistlichen und göttlichen Gütern streben soll, die Bemerkung: Ich, meine Brüder,  vermochte mit euch nicht wie mit geistlichen Menschen, sondern wie mit fleischlichen Menschen, wie mit kleinen Kindern in Christus reden. Bis jetzt nämlich seit ihr fleischlich. Seit ihr denn nicht fleischlich und wandelt nach Menschenart, sobald in euch Eifersucht, Streit und Twist herrschen?

Wir können das himmlische Bild nicht tragen, wenn wir nicht in dem, was wir jetzt angefangen haben zu sein, Christi Ebenbild zeigen. Das bedeutet nämlich geändert zu haben, was man gewesen war, und begonnen zu haben, was man nicht war, damit die göttliche Geburt in einem leuchtet, damit Gott dem Vater die göttliche Ordnung entspricht, damit im Menschen durch ein ehrenvolles und lobenswertes Leben Gott glänzt. Er ermutigt und ruft dazu auf, und er versprich denen, die ihn verherrlichen, eine Gegenleistung. Die, die mich verherrlichen, werde ich verherrlichen, und wer mich verachtet, den werde ich verachten. Der Herr und Sohn Gottes gewöhnt uns durch seine Unterweisung an diese Herrlichkeit und bereitet uns darauf vor, indem er uns das Ebenbild Gottes einprägt. Darum sagt er im Evangelium: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet.“

 

Über den heiligen Cyprian von Karthago (gest. 258)

 

Caecilius Cyprianus stammte aus einer der führenden Familien Karthagos. Schon wenige Jahre nach seiner Bekehrung wurde er, vor allem durch die Unterstützung des Volkes, 248/9 zum Bischof geweiht. Im Anschluß an die Christenverfolgung unter Decius (249-251) stellte sich ihm die Frage des Umgangs mit den Christen, die sich dem staatlichen Zwang zu opfern gebeugt hatten. Cyprian möchte sie nicht ohne eine strenge Buße wieder zur Eucharistie zulassen. Das Problem des Schismas um Novatian greift Cyprian in seiner Schrift Über die Einheit der Kirche auf. Darin geht er auch auf die Bedeutung des petrinischen Amtes ein. Zur Auseinandersetzung mit dem römischen Bischof Stephan I. (254-257) kommt es dagegen in der Frage um die Gültigkeit der in häretischen Gruppierungen gespendeten Taufe. Die harte Linie des Bischofs von Karthago findet dabei keine Anerkennung. Unter Kaiser Valerian wird Cyprian 257 zunächst verbannt und später, am 14.9.258, in Karthago enthauptet. Bis in die Zeit Augustins und Gregors des Großen galt er als eine der wichtigsten theologischen Autoritäten überhaupt. (Quelle: Catena Aurea)

 

 

 

 

 

 

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