8. Sonntag i. J. 

Die Wurzel allen Übels ist die Begierde

 

Homilie des heiligen Cyrill von Alexandrien zum Evangelium des achten Sonntages im Jahreskreis, Lesejahr A in der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus. Text: In lc 62: CSCO 70.161.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 5, 38-48)

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. 25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? 28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. 29Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! 31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. 33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. 34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

 

Homilie des heiligen Cyrill von Alexandrien

 

Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen. Was könnte er durch diese Worte seine Jünger lehren oder durch diese Worte im Blick auf das, was sie tun sollen, herausheben wollen? Bestimmt dies: Dass sie ihre ganze Hoffnung auf Nahrung auf ihn setzen sollen und dass sie an jenen Heiligen denken sollen, der sagte: Werft alle eure Sorgen auf den Herrn. Er wird dir zu essen geben. Er schenkt nämlich den Heiligen, was für das Leben ausreicht, und er lügt nicht, wenn er zweifelsfrei sagt: Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? … Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

 

Denn wahrhaft nützlich und sogar notwendig war es, dass jene, die das Apostelamt bekleiden, eine Geisteshaltung haben, die nicht auf Reichtum bedacht ist, und sich vom Versammeln von Geldmitteln weit fernhalten. Ihnen soll vielmehr genügen, was von Gott kommt. Denn die  Wurzel allen Übels ist, wie geschrieben seht, die Begierde. Von dieser müssen sie daher völlig loskommen. Sie müssen frei von dem sein, was die Wurzel und der Nährboden allen Übels ist. Sie sollen alle Sorgfalt in den notwendigen Mühen verwenden. Sie sollen sich nicht vom Satan unterjochen lassen. Frei von weltlicher Sorge sollen sie freilich das, was dem Fleisch eigen ist, verachten. Sie sollen nur das verlangen, was Gott will.

 

Denn wie ziemlich starke Soldaten bei ihrem Aufbruch zum Kampf nicht einmal etwas anderes mitführen als nur das, was für den Krieg notwendig ist, so müssen diejenigen, die Christus als Hilfe für die Welt und zur Aufnahme des Kampfes für die Gefährdeten gegen die Beherrscher der Welt der Finsternis, ja auch gegen Satan selber, sandte, frei sein von den Drangsalen dieser Welt und von jeder weltlichen Sorge. So kommt es, dass sie - fest gegürtet und mit geistlichen Waffen ausgerüstet - tapfer gegen diejenigen kämpfen, die sich der Ehre Christi entgegenstellen und zerstören, was unter dem Himmel ist. Denn diese sind der Anlass dafür gewesen, dass die Bewohner der Erde die Schöpfung ohne Gott anbeten und die Elemente der Welt verehren. Weil sie also das Schild des Glaubens, den Panzer der Gerechtigkeit und das Schwert des Geistes, das das Wort Gottes ist, trugen, mußten sie für die Feinde unerträglich sein. Sie schleppten nämlich keinen Makel und keine Schuld mit sich, das heißt sie haben keine Begierde nach Besitz, sie sammeln nicht übermäßigen Gewinn und sie sorgen sich nicht darum. Denn das alles reist den menschlichen Geist aus einem Leben, das Gott wohlgefällig ist, heraus und läßt ihn nicht nach oben zu ihm aufsteigen, sondern drückt ihn vielmehr nach unten in einen Geist, der zum Boden und zu dem was, irdisch ist, schwebt.

 

Über den heiligen Cyrill von Alexandrien (gest. 444 )

 

Er begleitete seinen Onkel Theophilus, Patriarch von Alexandrien, zur Eichensynode (403), auf der Johannes Chrysostomus abgesetzt wurde. Als dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Alexandria (412) nahm er im Streit gegen Nestorius eine führende Rolle ein. Selbst der Athanasianischen Christologie verpflichtet, die die Einheit von Gottheit und Menschheit betont, verteidigte er vehement die Gottesmutterschaft Mariens. Unter seinem Vorsitz wurde sie auf dem Konzil von Ephesus (431) feierlich verkündet und Nestorius, Bischof von Konstantinopel für abgesetzt erklärt. Die daraufhin einsetzenden Streitigkeiten mit den Antiochenern, die ein Gegenkonzil einberiefen und ihrerseits Cyrill für abgesetzt erklärten, konnten 433 beigelegt werden. Seine dogmatischen Positionen verfocht Cyrill vor allem in (Osterfest-) Briefen und in Homilien; doch auch der späte Dialog „Daß Christus einer ist” läßt sich hier anführen. (Quelle: Catena Aurea)

 

 

 

 

 

 

 

 

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