Oktavtag von Weihnachten

Kyrill von Alexandrien:  Er verlor seine Gottheit nicht

 

Homilie des heiligen Kyrill von Alexandrien  zum Hochfest der Gottesmutter Maria. Aus: Hom. 15, 1-3 de Incarnatione verbi Dei; PG 77, 1090. Übersetzung: Gero P. Weishaupt

 

EVANGELIUM    Lk 2, 16-21

 

Als acht Tage vorüber waren, gab man dem Kind den Namen Jesus

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

16So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

21Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

 

Homilie des heiligen Kyrill von Alexandrien

 

Tief und groß und zugleich bewundernswert ist das Geheimnis des Glaubens und auch den heiligen Engeln selber ist es sehr willkommen.  Denn irgendwo sagt der Jünger des Erlösers über das, was von den heiligen Propheten über Christus als unser aller Erlöser angekündigt worden ist: Das ist euch nun von jenen verkündet worden, die euch nach der Geistsendung das Evangelium gebracht haben. Auf ihn haben die Engel mit Verlangen geschaut. So viele, die das große Geheimnis des Glaubens geschaut haben, sagten für uns wirklich Dank: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden unter den Menschen guten Willens.

 

Denn obwohl das Wort aus Gott dem Vater seiner Natur nach wahrer Gott, dem Vater wesensgleich und gleichewig, strahlend in der Erhabenheit seiner eigenen Würde war; obwohl es in der gleichen Gestalt seines Vaters war, hielt er nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich, indem er die Gestalt eines Sklaven annahm aus der heiligen Maria und den Menschen gleich geworden ist. Sein Leben war das eines Menschen: Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.  Darum hat der sich bis zur Niedrigkeit herabgelassen, der von seiner Fülle allen mitteilt. Er hat sich aber erniedrigt für uns, ohne von jemandem dazu gezwungen worden zu sein. Er hat vielmehr freiwillig für uns die Knechtsgestalt angenommen, er, der seiner eigenen Natur nach frei war. Er ist einer von uns geworden, der über der ganzen Schöpfung war. Er wurde sterblich, der alles mit Leben erfüllt. Er ist das lebendige Brot, das der Welt leben gibt. Er steht mit uns unter dem Gesetz, der über dem Gesetz und als Gott Gesetzgeber war. Geworden ist er wie einer aus denen, die geboren sind und einen Anfang haben, er, der vor allen Zeiten und Ewigkeiten war, mehr noch, der Urheber und Schöpfer der Zeiten.

 

Auf welche Weise ist er uns also gleich geworden? Natürlich indem er einen Leib aus der heiligen Jungfrau angenommen hat: allerdings nicht einen seelenlosen Leib, wie es einigen Häretikern schien, sondern einen Leib mit einer vernunftbegabten Seele.  So ging ein vollkommener Mensch aus der Frau hervor, ohne Sünde; wirklich, nicht scheinbar und in der Einbildung. Er verlor dabei tatsächlich nicht seine Gottheit, er gab auch nicht das auf, was er immer gewesen war, was er ist und sein wird: Gott.

Und auf diese Art und Weise sagen wir, dass die heilige Jungfrau Gottesgebärerin ist. Wie nämlich der heilige Paulus sagt: Ein Gott und Vater, aus dem alles ist; und ein Jesus Christus, durch den alles ist, teilen wir in keiner Weise den einen Gott und Erlöser, das menschgewordene und fleischgewordene Wort Gottes in zwei Söhne auf.

 

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