Palmsonntag

Homilie des heiligen Andreas von Kreta zum Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag im Lesejahr A. Text: Oratio 9 in ramos palmarum: PG 97, 990-994). 

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mat 21, 1- 11)

 

1Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus 2und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! 3Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. 4Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: 5Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. 6Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. 7Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. 8Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! 10Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? 11Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

 

Homilie des heiligen Andreas von Kreta

 

Kommt und lasst auch uns  beim Hinaufsteigen auf den Ölberg Christus entgegengehen, der heute aus Bethanien zurückkehrt und zum  verehrungswürdigen und seligen Leiden aus freien Stücken voranschreitet, um das Geheimnis unseres Heiles zur Vollendung zu führen.

 

Freiwillig unternimmt er die Reise nach Jerusalem. Er, der unseretwegen vom Himmel herabkam, kam deswegen, um uns, die wir tot waren, mit sich zu erhöhen, wie die Schrift es sagt: hoch über jede Herrschaft und Macht und über jeden Namen, der erwähnt wird.

 

Er kam, aber nicht in Pracht und Prahl, als ob er auf die Herrlichkeit geltend machte. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Sondern bei seinem von Glanz umgebenen Einzug wird er sanft, demütig und niedrig sein, von geringer Gestalt und armselig in der Ausstattung.

 

Auf denn! Auch wir wollen gemeinsam mit dem Eilenden zum Leiden laufen und denen nachahmen, die ihm vorangegangen sind. Nicht so, dass wir Ölbaumzweige, Teppiche und andere Dinge ausbreiten oder dass wir Palmzweige auf dem Weg streuen, sondern so, dass wir uns selber nach Möglichkeit demütig, aufrichtig und fest entschlossen darbieten, um das Wort, das zu uns kommt, zu empfangen, und so, dass Gott in uns Aufnahme findet, er, der niemals räumlich eingegrenzt werden kann.

 

Er findet nämlich Freude daran, dass er sich uns auf diese Weise als sanftmütig erwiesen hat, er, der sanftmütig ist. Er steigt aus unserer äußersten Niedrigkeit hinauf. Er wollte nämlich zu uns kommen, unter uns verkehren, damit er – mit uns aufs engste verbunden - uns zu sich zurückführte.

 

Obwohl er – wie man sagt - in seiner stofflichen Niedrigkeit im Besitz seiner eigenen Herrlichkeit und Gottheit über den Himmel zum Ursprung zurückgekehrt ist, wird er doch nicht wegen seiner Zuneigung und Liebe zu den Menschen seine Niedrigkeit aufgeben, bis er sie von der Tiefe der Erde erhebt und zusammen mit sich erhöht hat.

So wollen wir uns selber vor Christus hinlegen, also nicht Kleider oder leblose Zweige, nicht Sträucher und Stroh, nicht Nahrungsmittel, die verderben und nur für wenige Stunden unsere Augen erfreuen, sondern bekleidet mit seiner Gnade, ganz und gar mit ihm: Alle, die ihr auf Christus getauft seit, habt Christus angezogen. Wir wollen uns darum nwie ausgebreitete Gewänder vor seinen Füßen ausbreiten.

 

Wie wir aber, die wir früher durch die Sünde scharlachrot waren, später kraftf der reinigenden Taufe, die uns Heil brachte, weiß wie Wolle geworden sind, so wollen dem Sieger über den Tod jetzt nicht Palmzweige, den Siegespreis überreichen.

 

Auch wir wollen an den einzelnen Tagen die heilige Stimme  mit den Kindern von Jerusalem erheben und mit den geistlichen Zweigen unserer Seele ihm zuwinken: Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!

 

 

Über den heiligen Andreas von Kreta (geb. um 660 – gest. um 720)

 

Im Alter von 15 Jahren trat Andreas in Jerusalem ins Grabeskloster ein. Später war er in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - als Diakon in der kirchlichen Verwaltung tätig. Patriarch Theodor I. beauftragte ihn, den Kaiser Konstantinus Pogonatus zur Abhaltung des 3. Konzils von Konstantinopel zu bewegen; dort vertrat er dann den Patriarchen. Andreas wurde 692 zum Metropoliten von Gortyna auf Kreta ernannt. Seine Haltung zum Monotheletismus war wankelmütig, berühmt wurde er aber ob seiner Predigten und Schriften, als eifriger Verehrer der Ikonen  und vor allem als Hymnologe. Sein Griechischer Kanon, ein Bußgesang mit 250 Strophen, wird in der griechischen Kirche bis heute in der Fastenzeit  am Donnerstag der fünften Fastenwoche gesungen, andere Hymnen und seine Regeln der Hymnologie sind bis heute von Bedeutung.

 

Der Bischof Andreas von Kreta darf nicht verwechselt werden mit dem Mönch und Märtyrer Andreas „Crisinus” von Kreta, dessen Gedenktag in der katholischen Kirche der 20., in den orthodoxen Kirchen der 17. Oktober ist. (Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon) 

 

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