Taufe des Herrn

Homilie des heiligen Gregor des Wundertäters zum Fest der Taufe des Herrn. Aus: Hom. 4 in sancta Theophania: PG 10, 1182-1183. 

 

Evangelium: Mat 3, 13-17

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit 13kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? 15Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. 16Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. 17Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

 

Homilie des heiligen Gregor des Wundertäters

 

Nicht kann ich in Deiner Gegenwart schweigen. Denn ich bin eine Stimme, und zwar die Stimme, die ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn.

 

Ich müßte von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Ich löste bei meiner Geburt die Unfruchtbarkeit der Mutter, die mich geboren hat, und als  Stummer stellte ich die Stummheit meines Vater wieder her, indem ich als Kind von dir die Gnade des Wunders erhielt. Du aber, geboren aus der Jungfrau Maria, wie du gewollt hast und wie nur du es wußtest, hast ihre Jungfräulichkeit nicht aufgehoben, sondern bewahrt und sie Mutter genannt. Weder stand ihre Jungfräulichkeit deiner Geburt im Wege, noch hat deine Geburt ihre Jungfräulichkeit verletzt. Doch Widersprüchliches - deine Geburt und ihre Jungfräulichkeit – treffen zusammen in dem einen Bund. Das ist nämlich für dich, den Schöpfer der Natur, ganz einfach und leicht.

 

Ich bin lediglich ein Mensch, der teilhat an der göttlichen Gnade, doch du bis Gott und Mensch zugleich. Denn du bist gütig und für die Menschheit in hohem Maße liebenswürdig. Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Du, der von Anfang an warst und bei Gott warst und Gott selber warst; du, der der Glanz des göttlichen Herrlichkeit bist; du, der das vollkommende Bild des vollkommenen Vaters bist; du, der das wahre Licht bist, das jeden Menschen erleuchtet, kamst in diese Welt; du, der, als er in der Welt war, gekommen bist, wo du warst; du, der Fleisch geworden ist, aber nicht in Fleisch umgestaltet worden bist; du, der unter uns gewohnt hast und für deine Knechte in der Gestalt eines Knechtes sichtbar gewesen bist; du, der Erde und Himmel durch deinen heiligen Namen gewissermaßen gleichwie durch eine Brücke verbunden hast: du kommst zu mir?

 

Du, der so groß ist, kommst zu einem solchen? Der König zum Vorläufer? Der Herr zum Knecht? So sehr du dich auch nicht geschämt hast, in einfachen menschlichen Verhältnissen geboren zu werden, ich kann dennoch die Grenzen der Natur nicht überschreiten. Ich weiß, wie groß der Abstand zwischen Erde und Schöpfer ist. Ich weiß, wie groß der Unterschied zwischen dem Schmutz der Erde und dem Schöpfer ist. Ich weiß, wieviel deine Sonne der Gerechtigkeit mich überragt, der ich die Leuchte deiner Gnade bin. Und auch wenn du mit der Hülle deines Leibes bekleidet bist, erkenne ich gleichwohl deine Herrschaft. Ich bekenne meinen Status als Knecht, ich preise deine Größe und Hoheit. Ich erkenne die Vollkommenheit deiner Herrschaft, ich sehe meine Nutz- und Wertlosigkeit. Ich bin nicht würdig, die Riemen deiner Sandalen zu lösen.

 

Und wie soll ich es wagen, dein makelloses Haupt zu berühren? Wie soll ich meine rechte Hand über dir ausstrecken, der du den Himmel gleich einem Fell ausgespannt und die Erde auf Wasser gegründet hast?  Wie soll ich meine knechtischen Finger über deinem Haupt ausbreiten? Wie soll ich den, der makellos und keiner Sünder unterworfen ist, mit Wasser taufen? Wie soll ich das Licht selber zum Leuchten bringen? Wie sol ich über dir ein Gebet aussprechen, der du sogar die Gebete derer annimmt, die dich nicht kennen?

 

 

 

 

 

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